Übersetzungsprobleme (1)
13.04.2011
Auflösung von Partizipgruppen im Deutschen
Partizipgruppen sind in
Sprachen wie z.B. dem Englischen oder dem Französischen gängige Mittel, um
Sachverhalte zueinander in Beziehung zu setzen. Wenn nun solche Konstruktionen
ins Deutsche übertragen werden sollen, machen es sich nicht wenige
(unprofessionelle) Übersetzer gerne einfach und übernehmen sie möglichst
textnah – was dann zu einer zielsprachlich eher weniger gelungenen Konstruktion
führt.
Denn dann steht als Ergebnis zum Beispiel: Mit den Geschäftspartnern
verhandelt habend, zog sich der Leiter der Delegation zunächst auf sein Zimmer zurück.
Dass dieser Satz stilistisch, sagen wir mal: unschön ist, liegt auf der Hand.
Aber auch Sätze wie Von den Feinden in die Irre geführt, wusste er nicht,
was er als Nächstes tun sollte können problematisch sein, da die genaue
Beziehung zwischen der Partizipgruppe und dem Hauptsatz nicht offensichtlich
ist. Handelt es sich eventuell um einen temporalen Zusammenhang (erst wurde er
in die Irre geführt, und dann war er ratlos) oder um einen kausalen (d.h. die
Irreführung war der Grund für die Ratlosigkeit)?
Wenn Sie hier Klarheit und im ersten Beispiel mehr Ästhetik wünschen, sollten
Sie in jedem Fall auf Nebensätze zurückgreifen: Diese haben den Vorteil, dass
sie stilistisch ‚schöner‘ sind (und somit sowohl der besseren Lesbarkeit als
auch dem eindeutigen Verständnis dienen) und zudem durch die einleitende
Konjunktion die Beziehung zwischen Partizipgruppe und Hauptsatz eindeutig präzisieren.
Somit hätten wir im ersten Fall: Nachdem er mit den Geschäftspartnern verhandelt
hatte, zog sich der Leiter der Delegation zunächst auf sein Zimmer zurück.
Im zweiten Beispiel ist die Auflösung aufgrund der Mehrdeutigkeit der
Partizipgruppe nicht so einfach: Nachdem/Weil er von den Feinden in die Irre
geführt worden war, wusste er nicht, was er als Nächstes tun sollte.
Präzisieren könnte hier nur der Autor selbst – falls er dies überhaupt möchte…
